2026-08-22
Neue Hochseilgärten 2026
Ein 22 Meter hoher Kletterturm im Münchner Olympiapark, eine Anlage im Bekleidungsgeschäft im Allgäu, ein inklusiver Hochseilgarten in Marburg: was 2026 neu gebaut wurde und was das über die Branche verrät.

ArthurMcGill, CC BY-SA 4.0
Hochseilgärten sind kein neues Freizeitangebot mehr. Die erste Welle in Mitteleuropa lief in den frühen 2000er-Jahren, die Anlagen aus dieser Zeit stehen heute in ihrer zweiten Generation. Was 2026 gebaut wurde, folgt deshalb einer anderen Logik als damals: Es geht weniger um den Wald am Ortsrand und mehr um Orte, an denen ohnehin Menschen sind – Stadien, Geschäfte, Museen, städtische Freizeitgelände.
Wir haben zusammengetragen, was in dieser Saison eröffnet hat.
Olympiapark München: 22 Meter über dem Stadion
Die auffälligste Neueröffnung des Jahres steht in München. Im Olympiapark hat die Firma KristallTurm aus Lenggries in Oberbayern einen rund 22 Meter hohen Hochseilgarten mit 36 Kletterstationen errichtet. Vom Turm aus blickt man ins Olympiastadion und über die Stadt.
Die Vorgeschichte erklärt, warum das ungewöhnlich ist. Das Olympiastadion wird derzeit für rund 300 Millionen Euro saniert und soll bis 2028 fertig sein. Während der Arbeiten steht der „Flying Fox" still, mit dem man sonst an einem Seil über das Stadion fährt. Der Veranstalter suchte einen Ersatz, und die Olympiapark GmbH stellte eine Fläche zur Verfügung.
Die Idee entstand nach Angaben von KristallTurm-Geschäftsführer Michael Haller schon Anfang 2024. Bis der Turm im April 2026 stand, vergingen über zwei Jahre – nicht wegen des Baus, sondern wegen der Genehmigung. Auf dem Gelände gelten Ensemble-, Denkmal- und Naturschutz. Die Planer mussten sich an das Gestaltungshandbuch des Olympiaparks aus den 1970er-Jahren halten; erlaubt waren nur vier bis fünf Farben.
Der eigentliche Aufbau dauerte dann zwei Wochen mit sechs Mitarbeitern. Erschwerend kam hinzu, dass in den Hang hinein gebaut wurde und keine Betonage erlaubt war – die Firma brachte ihre eigene Fundamentierung mit. Haller betont, das Ganze lasse sich rückstandslos wieder entfernen, die Module könnten theoretisch abgebaut und anderswo aufgestellt werden.
Geplant war der Turm als temporäre Anlage. Ob er bleibt, ist offen; die erste Resonanz war laut Betreiber gut. Im Mai kam eine 200 Quadratmeter große Eventplattform dazu.
Der Turm ist damit rund acht Meter höher als die Standardanlagen, von denen KristallTurm nach eigenen Angaben weltweit mehr als 80 gebaut hat. In den Lenggrieser Werkstätten laufen parallel Aufträge für Spielplätze in Moers und am Ammersee, für einen Tierpark in Bordeaux und für Projekte in China.
Für Besucher heißt das: Wer den Flying Fox über dem Olympiastadion vermisst, findet hier vorerst den Ersatz. Und für die Branche heißt es: Ein Hochseilgarten ist inzwischen ein Bauwerk, das man in zwei Wochen mitten in ein denkmalgeschütztes Ensemble stellen und rückstandslos wieder abbauen kann.
Marburg: der erste konsequent inklusive Hochseilgarten
Im April 2026 hat die hessische Universitätsstadt Marburg an der Lahn – nicht das slowenische Maribor – auf dem Freizeitgelände im Stadtwald eine Anlage eröffnet, die von Grund auf für Menschen mit Behinderung geplant wurde. Sechs Meter hoch, mit Rampe, Seilaufzügen, Kletterwand und Kletternetz als vier parallelen Aufstiegen, mit einer Vorrichtung zur Gewichtsreduktion für Menschen mit Muskelschwäche und einem Tastmodell für Sehbeeinträchtigte. Auf- und Abstieg sind rollstuhlgeeignet.
Investiert hat die Stadt 272.000 Euro, dazu kamen 10.000 Euro Förderung vom Land Hessen. Betreiber ist die städtische Jugendförderung, gebaut hat die ALEA GmbH. Die Anlage richtet sich an Gruppen aus Schulen, Vereinen und der Jugend- und Behindertenhilfe.
Wir haben dem Thema einen eigenen Beitrag gewidmet: Inklusiver Hochseilgarten – klettern mit Behinderung.
Sonthofen: Klettern im Bekleidungsgeschäft
Am 1. August 2026 hat in der Berghofer Straße 19 in Sonthofen im Allgäu der nach Angaben des Unternehmens größte Store der Marke „1803 – Born in the Alps" eröffnet. Betreiber ist das Oberstdorfer Familienunternehmen Schratt, das im Allgäu inzwischen vier solcher Läden führt – in Oberstdorf, Füssen, Oberstaufen und Sonthofen.
Bemerkenswert ist, was neben der Bekleidung im Haus steckt: ein Hochseilgarten namens „KletterBande", als Indoor- und Outdoor-Anlage, ab 1,20 Meter Körpergröße zugänglich. Für Einkäufer ist er kostenlos, Geburtstagskinder haben freien Eintritt.
Das ist kein Kletterpark im Sinne dieses Verzeichnisses – es gibt keine Kletterzeit, keine Parcoursstufen, keinen Eintrittspreis. Es ist Kundenbindung. Aber es zeigt eine Entwicklung, die man auch anderswo sieht: Der Hochseilgarten wandert aus dem Wald in Räume, in denen ohnehin Publikum ist.
Bochum: der Hochseilgarten, der weiterzieht
Vom 5. bis 7. August 2026 stand der mobile Hochseilgarten des Stadtsportbunds Bochum auf dem Gelände des LWL-Museums Zeche Hannover. Drei Tage, jeweils 14 bis 18 Uhr, kostenfrei, ohne Anmeldung.
Die Anlage arbeitet in 2,50 Metern Höhe, gesichert mit Helm, Gurt und Rundum-Leine, und ist für Kinder und Jugendliche ab 1,10 Meter Körpergröße beziehungsweise bis 90 Kilogramm gedacht. Dazu kamen zwei Bungee-Trampoline.
Solche Wanderanlagen sind ein eigener Zweig der Branche, über den selten geschrieben wird. Sie erreichen Kinder, die nie in einen Kletterwald kommen würden – weil die Familie kein Auto hat, weil 25 Euro Eintritt nicht drin sind, weil die nächste Anlage 40 Kilometer weit weg ist.
Attersee: Klettern als Mentaltraining
Kein Neubau, aber ein neues Format: Im Hochseilgarten Attersee in Seewalchen startet im September das Tagesprogramm „Hochgefühl" von Elke Pflug – vormittags Mental- und Atemtechniken samt Grundlagen aus der Gehirnforschung, nachmittags die Anwendung im Parcours. Für gesunde Menschen ab 18 Jahren, ohne Klettererfahrung, höchstens zwölf Personen je Termin.
Mehr dazu in unserem Beitrag Höhenangst im Hochseilgarten.
Pfelders in Südtirol: Netzparcours ab drei Jahren
Etwas außerhalb unseres Verzeichnisgebiets, aber erwähnenswert: Der SpiderPark in Pfelders im Passeiertal hat seinen Bestand um einen Netzparcours für Kinder erweitert, der ab drei Jahren zugänglich ist. Die Anlage liegt rund 15 Gehminuten vom Ortszentrum, hat vier Parcours bis in 18 Meter Höhe und einen Zipline-Parcours mit vier Seilrutschen über den Pfelderer Bach, bis in 40 Meter Höhe.
Preise: 26 Euro für Erwachsene, 19 Euro für Kinder von sechs bis zehn Jahren, 10 Euro für den Netzparcours. Die Saison läuft von Mai bis Anfang November, mittwochs ist außerhalb von Juli und August geschlossen.
Was diese Saison über die Branche verrät
Vier Muster fallen auf, wenn man die Neuzugänge nebeneinanderlegt.
Erstens: Modulbauweise setzt sich durch. Der Münchner Turm wurde in zwei Wochen aufgestellt, ohne Beton, rückstandslos entfernbar. Das verändert, wo Anlagen entstehen können – nämlich auch dort, wo niemand ein dauerhaftes Bauwerk genehmigen würde.
Zweitens: Die Altersgrenzen sinken. Netzparcours ab drei Jahren, Kinderparcours ab einem Jahr wie in Winterberg, Bambini-Bereiche ab fünf. Der Markt wächst nach unten, weil Familien mit Kindern unterschiedlichen Alters sonst gar nicht erst kommen.
Drittens: Der Hochseilgarten verlässt den Wald. Olympiapark, Bekleidungsgeschäft, Museumsgelände. Was früher ein Ausflugsziel war, wird zum Element an Orten mit vorhandenem Publikum.
Viertens: Zugänglichkeit wird zum Bauthema. Marburg ist der erste Fall in unserem Verzeichnis, in dem Inklusion nicht nachgerüstet, sondern eingeplant wurde. Bei einer Investition von 272.000 Euro und einer Landesförderung ist das eine politische Entscheidung – und ein Modell, das andere Kommunen kopieren können.
Fehlt etwas?
Unser Verzeichnis führt derzeit über 150 Anlagen in Österreich, Deutschland und Slowenien und wächst weiter. Wenn Sie einen Hochseilgarten kennen, der hier fehlt, oder wenn eine Angabe nicht stimmt, sagen Sie uns Bescheid – über das Formular unter Hochseilgarten melden.
Quellen: Merkur (Bericht über den Hochseilgarten im Olympiapark, Mai 2026), Kreisbote (Eröffnung des 1803-Stores in Sonthofen, August 2026), Pressemitteilung der Universitätsstadt Marburg, lokalklick.eu (mobiler Hochseilgarten auf Zeche Hannover, Juli 2026), meinbezirk.at (Hochgefühl am Attersee, August 2026), suedtirolerland.it (SpiderPark Pfelders). Alle Angaben ohne Gewähr.