hochseilgaerten.com

Kletterparcours: Aufbau und Schwierigkeit

Wie ein Kletterparcours gebaut ist, wie die Farben Grün bis Schwarz zu lesen sind und wie man den Parcours findet, der zur eigenen Gruppe passt.

Der Kletterparcours ist die eigentliche Maßeinheit eines Kletterparks. Nicht die Zahl der Bäume, nicht die Höhe, nicht die Fläche: Wie viele Parcours es gibt, in welchen Farben sie ausgeschildert sind und wie sie zueinander stehen, entscheidet darüber, ob ein Ausflug funktioniert. Dieser Beitrag erklärt den Aufbau, die Farbskala und die Auswahl – und warum Familien mit unterschiedlich alten Kindern besonders genau hinschauen sollten.

Was ist ein Kletterparcours?

Ein Kletterparcours ist ein zusammenhängender Weg durch die Anlage: Man steigt an einer Leiter oder Treppe ein, arbeitet sich über mehrere Stationen von Plattform zu Plattform und steigt am Ende wieder ab. Zwischendurch aussteigen geht in der Regel nicht – der Parcours ist eine Einbahn.

Damit hat das Wort zwei Bedeutungen, die im Alltag durcheinandergehen:

  • Streng genommen ist der Kletterparcours ein einzelner Weg innerhalb eines Kletterparks. Eine mittelgroße Anlage hat sechs bis zehn davon.
  • Umgangssprachlich meint „Kletterparcours" oft die ganze Anlage – so wie „Piste" manchmal für das ganze Skigebiet steht.

Die Bausteine eines Parcours heißen Stationen, Übungen oder Elemente. Der Waldseilpark Tscheppaschlucht in Kärnten etwa verteilt 87 Elemente auf acht Parcours, der Waldseilpark Kahlenberg in Wien rund 150 Übungen auf 15 Parcours. Als Faustregel: acht bis fünfzehn Stationen ergeben einen Parcours, das entspricht 15 bis 30 Minuten Kletterzeit.

Wie ein Parcours gebaut ist

Drei Bauteile wiederholen sich in jedem Kletterparcours:

  1. Die Plattform. Ein Holzpodest am Baum oder Mast. Hier steht man sicher, hier wechselt man das Element, hier wartet man auf den Vordermann. Auf einer Plattform sollte immer nur eine Person stehen – das ist der häufigste Stau im Park.
  2. Das Sicherungsseil. Ein Stahlseil über Kopfhöhe, das den ganzen Parcours begleitet. Daran hängt man mit dem Sicherungsset, unabhängig davon, was die Füße gerade tun.
  3. Die Station. Die Verbindung zwischen zwei Plattformen – und der Teil, um den es geht.

Verbreitete Stationstypen und was sie verlangen:

StationWas zu tun istWas sie fordert
Seil- oder HängebrückeÜber Bretter oder Seile gehen, an Seilen festhaltenGleichgewicht
NepalbrückeAuf einem Seil gehen, an zwei höheren Seilen haltenGleichgewicht, Nerven
Wackelbalken, BaumstämmeÜber hängende, schwingende Hölzer balancierenGleichgewicht, Rumpf
Netze und SpinnennetzeKlettern, Krabbeln, DurchsteigenGanzkörper, Ausdauer
Reifen, Ringe, SteigbügelVon Griff zu Griff wechseln, frei hängendArm- und Griffkraft
Tarzansprung, Sprung ins LeereLoslassen und ins Seil oder Netz springenÜberwindung
Flying Fox / ZiplineEinhängen, Füße heben, rollen lassenNichts – das ist die Belohnung

Der Kletterpark Schöckl bei Graz hat mit dem Tarzanschwung im schwarzen Parcours und dem „Sprung ins Leere" aus rund sieben Metern gleich zwei der Stationen, an denen sich die Gruppe erfahrungsgemäß aufteilt.

Die Farbskala von Grün bis Schwarz

Kletterparcours sind wie Skipisten farblich gekennzeichnet. Ein europaweit einheitliches System gibt es nicht, in Österreich hat sich aber diese Reihenfolge durchgesetzt:

FarbeTypische HöheAnforderungFür wen
Violett, Lila, Orange0,5 bis 1,5 mSpielerisch, oft ohne GurtKleinkinder, Erstkletterer
Grün1 bis 3 mBreite Tritte, kurze AbständeKinder ab ca. 100–110 cm
Blau3 bis 6 mErste wackelnde ElementeFamilien, Einsteiger
Rot6 bis 12 mGriffkraft nötig, längere ÜbungenGeübte ab ca. 130 cm
Schwarz10 bis 20 mHangeln, Sprünge, wenig FußkontaktSportliche, ab ca. 140 cm

Wichtig: Die Farben gelten innerhalb einer Anlage, nicht zwischen Anlagen. Ein roter Parcours in einem Familienpark kann leichter sein als ein blauer in einem sportlich ausgerichteten. Und manche Betreiber staffeln feiner – der Abenteuerpark Gröbming unterscheidet sieben Schwierigkeitsgrade von violett bis schwarz, der Woodland Hochseilpark in Salzburg legt zwischen „zwei Meter" und „zwölf Meter mit Zipline" vier Zwischenschritte statt der sonst üblichen ein bis zwei.

Viele Anlagen koppeln die Farbe direkt an die Körpergröße. Am Kletterpark Schöckl gilt: 100 cm für Grün und Blau, 130 cm für Rot und den Funparcours, 140 cm für Schwarz.

Wie viele Parcours eine Anlage hat – und was das bedeutet

AnlageParcoursBesonderheit
Abenteuerpark Gröbming22Größte Anlage Österreichs, 7 Schwierigkeitsgrade
Kletterpark Schlossberg Lienz18Kidspark ab 2 Jahren, drei Stufen darüber
Waldseilpark Golm17Größter Vorarlbergs, Zwergle-Parcours ohne Größengrenze
Waldseilpark Kahlenberg15Größter Ostösterreichs, teils in 20 m Baumhöhe
Waldseilpark Tscheppaschlucht887 Elemente über der Schlucht
Kletterpark Piber7Kinderparcours ab 4 Jahren, Rest erst ab 140 cm

Mehr Parcours heißen nicht automatisch mehr Spaß. Entscheidend ist, wie viele davon für die eigene Gruppe offen sind. In Piber etwa klettert ein Vierjähriger genau einen Parcours, während der Rest der Familie sechs zur Auswahl hat – wer das vorher weiß, plant anders.

Es geht auch ganz ohne Parcours-Einteilung: Der Waldkletterweg Faistenau im Salzburgischen ist als durchgehender Weg von rund 800 Metern mit 70 Stationen gebaut, farblich gestaffelt statt in Runden aufgeteilt. Mit 13 € ist er zugleich die günstigste Anlage im Verzeichnis.

Wie gesichert wird

Am Parcours hängt man entweder in einem durchgehenden System – einmal einhängen, bis zum Ausstieg eingehängt bleiben, ein Aushängen ist mechanisch unmöglich – oder in zwei Karabinern, die man an jeder Plattform umhängt, wobei immer einer eingehängt bleiben muss. Moderne Umhängesysteme (Smart Belay) lassen sich technisch nicht beide gleichzeitig öffnen.

Für Kinder ist die durchgehende Sicherung die entspanntere Variante. Der Waldseilpark Pyramidenkogel verzichtet deswegen ganz auf eine Altersgrenze und lässt jeden ab 120 cm klettern. Gebaut und geprüft wird in beiden Fällen nach der Norm EN 15567.

Den richtigen Parcours wählen

  • Unten anfangen. Auch geübte Kletterer gehen zuerst einen leichten Parcours – nicht wegen der Schwierigkeit, sondern um die Systematik der Anlage zu lernen: Wo hängt man ein, wie sind die Seilrutschen gebaut, wie stark schwingt das Material.
  • Kraft einteilen. Der zweite rote Parcours fühlt sich deutlich schwerer an als der erste. Wer drei Stunden bleiben will, sollte den schwarzen nicht am Ende planen, sondern in der Mitte.
  • Hände schonen. Die meisten geben nicht wegen der Höhe auf, sondern wegen der Unterarme. Handschuhe helfen, ebenso: nicht dauerhaft die Seile umklammern, sondern die Füße arbeiten lassen.
  • Ausstieg klären. Vor dem Einstieg in einen schweren Parcours die Frage stellen, was passiert, wenn man nicht weiterkann. Seriöse Betreiber haben eine Antwort und ein Bergekonzept.
  • Zeitfenster beachten. Die letzte Einschulung liegt oft zwei Stunden vor Betriebsschluss, und Tickets gelten häufig nur zwei bis drei Stunden. In der Tscheppaschlucht etwa rechnet der Betreiber mit 2,5 Stunden plus Einschulung.

Kletterparcours in Österreich finden

Auf der Startseite lassen sich alle 91 Anlagen nach Region, Alter des Kindes, Preis und Öffnungstag filtern; jede Detailseite nennt Parcourszahl, Höhen, Mindestalter und Mindestgröße, soweit uns die Angaben des Betreibers vorliegen. Direkt zu den Bundesländern:

Tirol · Steiermark · Kärnten · Niederösterreich · Oberösterreich · Salzburg · Burgenland · Vorarlberg · Wien

Häufige Fragen zum Kletterparcours

Wie lange dauert ein Kletterparcours?

Ein einzelner Parcours dauert je nach Länge 15 bis 30 Minuten. Für einen Besuch mit mehreren Parcours plant man zwei bis drei Stunden reine Kletterzeit ein, dazu 15 bis 30 Minuten Einschulung. Viele Tickets sind genau auf dieses Zeitfenster begrenzt.

Was bedeuten die Farben im Kletterparcours?

Sie zeigen die Schwierigkeit an, ähnlich wie bei Skipisten: Violett und Grün sind niedrig und spielerisch, Blau ist der Familienstandard, Rot verlangt Griffkraft, Schwarz Hangeln und Sprünge in großer Höhe. Die Skala gilt nur innerhalb einer Anlage – ein rotes Niveau ist nicht überall gleich.

Kann man einen Kletterparcours abbrechen?

Nur eingeschränkt. Die meisten Parcours haben keinen Ausstieg in der Mitte, weil jede Plattform in einem Baum hängt. Wer nicht weiterkann, wird vom Personal geborgen – deshalb die Regel, erst leicht zu beginnen und die Kraft einzuteilen.

Ab welcher Körpergröße darf man einen Kletterparcours gehen?

Der häufigste Wert in Österreich ist 110 cm, gefolgt von 120 cm. Für rote und schwarze Parcours verlangen viele Anlagen 130 bis 140 cm. Einzelne Kinderparcours haben gar keine Grenze, weil sie knapp über dem Boden verlaufen. Details stehen im Beitrag Kletterpark mit Kindern.

Wie viele Parcours schafft man an einem Tag?

Mit normaler Fitness vier bis sechs, wenn sie nicht alle im roten Bereich liegen. Die Grenze setzen meist die Unterarme, nicht die Kondition. In den großen Anlagen mit 15 und mehr Parcours geht es ohnehin nicht darum, alles zu gehen, sondern eine gute Auswahl zu treffen.

Was ist der Unterschied zwischen Parcours und Station?

Die Station ist ein einzelnes Element zwischen zwei Plattformen – eine Seilbrücke, ein Netz, ein Balken. Der Parcours ist die Aneinanderreihung mehrerer Stationen zu einem durchgehenden Weg. Wenn ein Betreiber „200 Stationen" bewirbt, bedeutet das nicht 200 Parcours, sondern typischerweise 15 bis 25.

Zurück zum Blog